Papa darf basteln – Geburtstagskarte im Metall-Look

Liebe Bastelwütige,

einmal mehr habe ich gestern für kurze Zeit das Bastelzimmer von Jasmin erobert: diesmal habe ich einfach gewartet bis sie ins Bett gegangen ist. Denn es geisterte mir schon eine ziemlich konkrete Idee für eine Grußkarte im Kopf, doch natürlich hat man nie das passende Papier da: es sollte metallisch wirken, ohne allerdings einfach auf Silber- oder Glitzerpapier zurückgreifen zu müssen, denn das hätte die Optik kaputt gemacht.

Ein Fall für das Stempeldochmal-Versuchslabor, mal sehen was ich da finden würde! So kramte ich mich durch die Papierreste, um das Ergebnis mit mehreren Papierfarben testen zu können, denn was bringt es, wenn der Effekt nur auf einer Papierfarbe wirkt? Nach wildem, aber planlosen Drehen der Stempelkissen-Farbtürme fiel mir ein Stempelkissen auf: Sternenschimmer. Nach kurzem, wildem Rumprobieren intensiven, hochwissenschaftlichen Versuchen merkte ich, dass sich der Metalliceffekt besser verteilt, wenn man mit den Fingerschwämmchen arbeitet, denn so bekam man auch ein wenig den Effekt von gebürstetem Metall. Das Ergebnis sagte mir sofort zu, das erste Erfolgserlebnis des Abends war zu verbuchen.

Dann kam allerdings die Ernüchterung: das Stempelkissen gibt es ja gar nicht mehr, es wurde leider aus dem Programm rausgenommen. Nun hatte ich ein großes Problem, denn würde ich es wagen, mit Artikeln zu arbeiten, die gar nicht mehr verfügbar sind, dann dürfte ich mir so richtig was anhören von Madame. Jede Mail, in der verzweifelte Kundinnen nach den nicht mehr verfügbaren Artikeln fragen würden, würde ich bitter bereuen, das war mir jetzt schon klar.

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Um der dräuenden Strafe zu entgehen (wahrscheinlich sowas Schlimmes wie einmal mit je einer Big Shot in der Hand zur Talsperre und zurück), wühlte ich panisch durch den Hauptkatalog und die Bastelregale von Jasmin… und irgendwann wurde ich dann fündig: Smooch Spritz Vanille. Erste Versuche zeigten, dass das Farbergebnis durchaus brauchbar war, allerdings ist in dem Zerstäuber auch viel Wasser, so muss man sehr genau aufpassen, dass man nicht zu viel aufträgt (Papier wellte sich) wenn man das Papier direkt ansprüht, und sich auch beeilt, solange die Farbe noch verwischbar sind. Hier arbeitete ich auch mit dem Fingerschwämmchen zum Verteilen der Farbe, allerdings durfte man auch nicht zu fest wischen, sonst scheuert man sich das feuchte Papier auf. Ich kann nach einigem Ausprobieren und einigen kaputten Papieren nur empfehlen, die Farbe selber auf eine Kunststoffunterlage zu sprühen, um dann mit dem Fingerschwämmchen die Farbe aufzunehmen und auf dem Papier zu verteilen. Küchenkrepp würde auch gehen, hat aber den Nachteil dass die Farbe zu aufgesaugt wird – das Problem hat man bei den Fingerschwämmchen natürlich nicht. Die größeren, gelben Schwämme von Stampin‘ Up! habe ich leider nicht gefunden im Bastelzimmer, die gehen sicherlich auch.

Nun waren die beiden richtigen Methoden gefunden, und als erstes bereitete ich eine etwa 6×6 cm große Fläche vor, die Papierbasis war Marineblau. Leider bekommt man diesen Metalliceffekt nicht so gut im Foto sichtbar gemacht. Dieses Stück war als Träger für einen Stempelabdruck gedacht, für den Roboter aus dem Stempelset Boys will be boys, der mir neben den Legosteinen sehr gut gefiel Nach einigem Wühlen im Schrank fand ich dann auch Jasmins Kiste mit den Embossing-Sachen. Also auf zum ersten Versuch, erst mit Versamark gestempelt, und dann das weiße Embossing-Pulver drüber, und dann das Heißluftgerät angeworfen.

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Im Nachhinein würde ich sagen, ich brauche mal eine Embossing-Schulung, denn leider war ich nicht ganz so erfolgreich mit dem Abklopfen von überschüssigem Pulver, so dass die wirklich filigranen Details doch ein wenig zugesuppt sind. Aber ich gebe nicht auf, und probiere es erneut (also wieder mühsam Papier metallisiert), diesmal mit silberner Stempelfarbe, da kann weniger schiefgehen… hoffe ich…

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Da ich natürlich nicht so begabt – oder eher geduldig genug – bin für das Ausschneiden an der Kontur des Roboters entlang, habe ich einfach eine passende 2″-Kreisstanze genommen. Nun, mit fertiger Deko, stand mir nun die größte Arbeit bevor: der Kartenrohkörper (beidseitig DIN A5) wollte auch noch metallisch werden, hier habe ich als Grundlage Farbkarton in Anthrazit genommen, der dadurch eine ordentliche dunkle Nuance bekommt.

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Der fertige Rohkörper wurde dann in der Mitte gefaltet, so dass nun eine Karte im Format DIN A6 vor mir lag.

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Der Roboter wurde nun mit Dimensionals auf die Karte geklebt, und darunter wurde dann der Spruch aus dem gleichen Stempelset mit silberner Farbe platziert. Dann dachte ich mir, wäre doch toll, wenn ich an der Seite noch ein wenig verziere. Hätte ich das doch gelassen… Genutzt habe ich die Streifen aus dem Set Gorgeous Grunge, allerdings habe ich gemerkt, dass der Stamp-a-ma-jig dann doch irgendwie seine Daseinsberechtigung hat, um durchgehende Muster zu stempeln. Jetzt wisst Ihr wenigstens, wie man es nicht macht und seine Karte versauen kann… 😉

Ich habe bereits eine Geldgeschenke-Kartenidee im Kopf für den nächsten Abend im Stempelstudio, lasst Euch überraschen.

Comments 15

  1. Hallo Jens,
    na jetzt hat dich das Stempelfieber aber gehörig gepackt (wie geht’s denn dem Lego-Bausatz?). Find ich echt toll, dass du so geduldig viel ausprobierst, die Methode war mir nicht bekannt, macht sich aber sehr gut. Und der Roboter wirkt sehr viel besser, wenn er nicht ausgeschnitten ist, das hätte zu dieser Karte gar nicht gepasst.
    Mach weiter so und lass deine Neugier nicht durch Schulungen verderben, wer solche Ergebnisse erzielt braucht das nicht.
    Liebe Grüße,
    Renate

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      Hallo Renate,

      der LEGO-Bausatz ist schon fertig und steht bei den anderen „eigentlich nicht zum Spielen“-Bausätzen auf dem Schrank. Aber dennoch werde ich mir mal das Embossen genauer ansehen, das brauche ich für mein nächstes Projekt, und zu wissen wie man den Stamp-a-ma-jig benutzt kann sicherlich auch nicht schaden.

      Gruß, Jens

  2. Hallo Jens,
    ich liebe es, Papier selbst zu veredeln. Darum gefällt mir dein Metallic-Look besonders gut!
    Man sieht deiner Karte an, dass du echt kreativ bist und einen eigenen Stil hast.
    Es zeigt mir auch, dass viel mehr in den Stamin’up-Produkten steckt als das, was man so im Internet standardmäßig sieht.
    Bei deinem Beitrag erfährt man den Entstehungsprozess, das finde ich super!
    Das macht den Beitrag neben deinem amüsanten Schreibstil sehr spannend!

    Daumen hoch!

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      Hallo Kerstin, was ich sehr gerne mache ist außerhalb der Anleitungen zu arbeiten, das ist wahrscheinlich der natürliche Experimentierdrang, herauszufinden, was alles so mit den Materialien möglich ist. Daher ist auf dem Blog meiner Frau mein Lieblingsbeitrag immer noch Als aus der Eule ein Pferd wurde!!, denn da wurde das Ergebnis von einem wie ich finde schönen Stanzset verwendet, um was komplett anderes zu kreieren. Ich liege Jasmin da sicherlich einmal im Monat in den Ohren, doch nochmal sowas zu machen… 😉

      Danke für Dein Lob, Jens

  3. Hallo Jens!
    Ich finde das immer wieder nett, etwas von einem Mann zu lesen. Ich stell mir da grad bildlich MEINEN Mann vor, wie er sich in meinen Bastelsachen austobt 😉
    Ich glaube, ich hätte an der Karte einfach ganz links einen Streifen abgeschnitten und das mit dem Stamp-a-majic nochmals gemacht 😉
    Liebe Grüße
    Marion

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      Hallo Marion, da hast Du recht, aber auf die Idee bin ich irgendwie dann doch nicht gekommen. Gruß, Jens

  4. Hallo Jens,
    deine Karte sieht klasse aus. Ich finde es super, dass du so experimentierfreudig bist. So bekommt man (ich) immer mal wieder neue Anregungen, auf die man selber so garnicht gekommen wäre. Mach weiter so. Deine letzte Karte war auch schon so toll.
    Gruß Sonja

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  5. Hallo Jens,
    Deine Karte sieht toll aus, die ausführlichen Erklärungen sind toll.
    So kann kann man die einzelnen Schritte toll nach voll ziehen.
    So eine Karte im Metall-LOOK  habe ich auch noch nicht gemacht.
    Mach weiter so. Ich finde es toll, dass Du dich als Mann dafür interessierst.
    Mein Mann hätte dazu keine Lust. Er bewundert ehr die Ergebnisse.
    M.f.G.
    Petra

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      Danke für das Lob, Petra! Das motiviert mich doch umgemein, öfters mal Beiträge für Jasmins Blog zu schreiben. Gruß, Jens

  6. Hallo Jens,

    wie erfreulich, so schnell wieder einen Bericht zu lesen und eine tolle Karte zu  sehen.
    Einfach klasse, wie Du Dich mit der Materie auseinandersetzt und im Bastelreich Deiner Frau stöberst und alles zusammensuchst was Du brauchst; vor allem aber Deine kreativen Ideen, die Du dann umsetzt. Solche Männer braucht das Land ;o)  Mach‘ bitte weiter so!

    Ich wünsche Dir und Deiner Familie ein schönes Wochenende und hoffe, bis bald!
    Viele  Grüße 
    Uschi

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      Hallo Uschi, stöbern nennst Du das? Jasmin sagt dazu immer „wahnsinnige Unordnung reinbringen“… Danke für das Lob. Gruß,
      Jens

  7. Ich bin gerade etwas traurig… Ich finde es einfach super, dass du, lieber Jens, sich dem Hobby deiner Tochter so annimmst. Mein Papa (der witziger Weise auch Jens heißt) würde das nie machen… der findet es Geldverschwendung und nicht sinnvoll. Mich macht es sehr traurig, dass mein Papa (eigentlich meine ganze Familie) meine Hobbies nicht unterstützt. Aber ich bin so froh, das es auch anders geht 🙂

    Jasmin, du kannst richtig stolz sein, dass du so einen tollen, aufgeschlossenen Papa hast 🙂

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      Hallo Verena,

      ich bin nicht der Papa, ich bin der Ehemann… okay, das mit dem „Papa darf basteln“ ist missverständlich, aber der Titel stammt vom ersten Artikel, weil ich da was für meinen Sohn gebastelt habe.

      Gruß, Jens

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